Keramik des Jugendstil
Die Grundlagen für die moderne europäische Keramik sind im 19. Jahrhundert zu suchen. Einen wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung hatten die ostasiatischen Einflüsse. Die Inspiration führte zu tiefgreifenden Veränderungen in der europäischen Keramikkunst. Das üppige Dekor, das bis dato die meisten Stücke zierte, entfiel weitgehend. Materialentsprechende Gestaltungskriterien traten in den Vordergrund. Steinzeug und Fayence hielten wieder Einzug in die Ateliers. Die Gefäßform an sich wurde schlichter, aber die Glasurtechnik aufwendiger. Unterstützung bekamen die Keramiker von den Chemikern: In chemischen Versuchsanstalten erprobten Wissenschaftler neue Glasuren.
In der französischen Keramik zeigt sich der asiatische Einfluss sowohl in der Fayence als auch im Steinzeug. Die Gruppe „Les arts du feu“, vertreten durch Jean Carriès, Auguste Delaherche, Ernest Chaplet und Pierre Adrien Dalpayrat, traf mit ihren eigenwilligen Stücken den Zeitgeist. Ihre Werke sind charakterisiert durch dunkle, in mehreren Schichten und Tönen aufgebrachte Glasuren. Die Aufnahme von Elementen aus der Natur und die Auseinandersetzung mit der traditionellen japanischen Keramik führte zu einem unverwechselbaren eigenen Stil.